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Siedlungsgeschichte und Archäologie

Neandertaler - Römer - Franken.


Vorgeschichtliche Besiedlung

Die ältesten Spuren menschlicher Besiedlung in der Region wurden in der Kartsteinhöhle, auch "Kakushöhle" genannt, in Mechernich-Weyer gefunden. In der mittleren Altsteinzeit, vor etwa 80.000 Jahren nutzten dann die Neandertaler die Höhle als Unterschlupf. Funde von Werkzeugen und Waffen aus Konochen und Geweih bezeugen die spätere Anwesenheit unseres direkten Vorfahren, des Homo sapiens, vor ca. 35.000 Jahren.

Mit dem Beginn der Jungsteinzeit vor ca. 7.000 Jahren wurden die Menschen im Rheinland sesshaft und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Somit kam es in dieser Zeit zu den ersten Eingriffen in die Naturlandschaft, nämlich zum Zurückdrängen der flächendeckenden Laubwälder durch Rodungen. Den frühneolithischen Bedürfnissen kamen die Lössflächen des Eifelvorlandes mehr entgegen. Erst aus jüngeren Stadien der jungsteinzeitlichen Entwicklung sind Funde in der Nordeifel bekannt.

In vorrömischer Zeit siedelte der Stamm der Eburonen im Gebiet um Nettersheim. Im Jahr 53 v. Chr. drangen die Römer unter dem Feldherren Julius Caesar in das Gebiet der Nordeifel vor, worauf es zu einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Römischen Quellen zufolge wurden die Eburonen in einer vernichtenden Niederlage nahezu ausgelöscht. In dem freien Siedlungsgebiet wurde dann von den Römern der zu den Germanen gerechnete Stamm der Ubier angesiedelt.


villa rustica in Roderath

Römerzeit: Straßen und Landleben

Unter den Römern wurde die Nordeifel und damit das Gebiet von Nettersheim Teil der Provinz Germania Inferior, also der Provinz "Niedergermanien". Die Eifel hatte vor allem als Durchgangsgebiet zu den am Rhein-Limes gelegenen römischen Legionslagern Colonia Claudia Ara Agrippinensium CCAA (Köln, der späteren Provinzhauptstadt) und Bonna (Bonn) sowie dem an der Mosel gelegenen Augusta Treverorum (Trier) große Bedeutung. Von dieser wichtigen Funktion als Transitraum zeugt das Gelände an der "Steinrütsch". Hier oder in der Nähe vermutet man eine römische Benefiziarier-Station (Straßenposten) an der römischen Fernstrasse Köln-Trier. Ein dort gefundener Meilenstein (heute ist im Gelände eine Rekonstruktion des Meilensteins aufgestellt) dokumentiert die Wiederinstandsetzung der Strecke unter Kaiser Decius, der Mitte des 3. Jhs. n. Chr. römischer Kaiser war.
Spuren des römischen Landlebens in der Eifel haben sich in Roderath erhalten: dort wurde eine Hofanlage (villa rustica) ausgegraben, das Hauptgebäude in Sockelhöhe teilrekonstruiert und die Nebengebäude durch Heckenpflanzungen nachvollziehbar gemacht. In Roderath ist eine eher kleine Hofanlage dokumentiert, wie sie in der Eifel vorkamen; sie bietet ein anderes Bild als die prächtigen Gutshöfe der Lössebenen.


Römische Wasserleitung

Quellfassung Grüner Pütz in NettersheimEnde des 1. Jh. n. Chr. wurde die römische Eifelwasserleitung zur Versorgung des antiken Köln erbaut, die an der Quellfassung "Grüner Pütz" im Urfttal ihren Ausgangspunkt hatte. Über eine Strecke von 95,4 Kilometern führte das seinerzeit größte Bauwerk nördlich der Alpen täglich ca. 20.000 m³ (250 l/s) wohlschmeckendes, kalkhaltiges Eifelwasser in die Colonia und versorgte dort Brunnen, Bäder und Thermen. Auf dem Römerkanal-Wanderweg von Nettersheim nach Köln kann man sich heute dieses imposante Bauwerk in seiner Gesamtheit erschließen.

Matronenheiligtum Görresburg in Nettersheim

Matronentempel

Für die Provinz Niedergermanien besonders bezeichnend sind die Tempelanlagen mit gallo-römischen Umgangstempeln, in denen die Matronen, Schutz- und Fruchtbarkeitsgottheiten, verehrt wurden. In der Region Nettersheim sind drei dieser Heiligtümer bekannt: in Nettersheim, Zingsheim und Pesch-Nöthen. Der Matronenkult geht bereits auf vorrömische Zeit zurück. Auf Weihesteinen sind die Matronen dargestellt: meist in der Dreizahl sitzen in einheimische ubische Tracht gekleidete Frauen auf einer Bank und tragen Fruchtkörbe in den Händen. Die Weihesteine an der Tempelanlage "Görresburg" in Nettersheim wurden von Benefiziariern gestiftet, also Soldaten, die auf dem Nettersheimer Straßenposten stationiert waren.

Vom Mittelalter zur Neuzeit

Fränkisches Steinplattengrab aus ZingsheimSeit der Spätantike ließen sich die Franken in der Nordeifel nieder. Sie legten vielerorts die Grundsteine für heutige Siedlungsstrukturen, so auch im Ort Nettersheim. Die Franken haben ihre Toten in ihrer Tracht und z. T. mit reichen Beigaben bestattet. Gräberfelder in Nettersheim, Zingsheim und Pesch mit Plattengräbern und teilweise kostbaren Funden, wie einem Rüsselbecher aus blauem Glas, zeugen von der fränkischen Besiedlung.

Urkundlich erscheint Nettersheim erstmalig 867 in einem Dokument des Frankenkönigs Lothar II. In diesem Schriftstück ist die Übergabe des königlichen Gutes mit Namen "Villa Nefresheim" an einen Edelherren Otbert festgehalten. Das Gut wurde seinerzeit von einem Mann namens "Guntbert" bewirtschaftet, der somit als der älteste, namentlich bekannte Nettersheimer gelten kann. Die Schreibform "Neffersheym" wird bereits im Güter- und Einkünfteverzeichnis der Abtei Prüm im Jahre 893 verwendet, aus dem hervorgeht, dass die Siedlung mit zwei Ackergütern zinspflichtig war.

Seit dem späten Mittelalter (1430) führte ein hier ansässiges Adelsgeschlecht den Namen "derer von Nettersheim" und übte einen nicht unbedeutenden Einfluß in der Eifel aus. Zu dieser Zeit kam Nettersheim zum Herzogtum Jülich, welches sich durch die Jahrhunderte Auseinandersetzungen mit den Kurfürsten von Köln lieferte. Erst nach den napoleonischen Kriegen 1794 wurde Nettersheim aus diesem Territorialgebilde herausgelöst.


Das heutige Erscheinungsbild unserer Dörfer ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen, kontinuierlichen Besiedlung. Die Grundzüge der Ortskerne präsentieren sich heute noch so, wie bereits auf der Tranchotkarte von 1809. Mit dem Anschluss an Preußen und verkehrstechnisch an die Eisenbahn 1871 (Strecke Köln-Trier) begann für Nettersheim die moderne Zeit.


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Archäologie und Kulturgeschichte erleben

In den musealen Einrichtungen des Naturzentrums Eifel

werden die archäologischen und kulturgeschichtlichen Gegebenheiten eindrucksvoll dargestellt und erläutert. In Veranstaltungen, z.B. beim "Essen wie die Römer", wird Besuchern die Archäologie nahegebracht.

Faltblatt "Archäologietour Nordeifel 2007" zum Herunterladen (PDF, 1,4 MB)

Erlebnisprogramm zur Römerzeit


Weiterführende Literatur

 IBLER, U. (1998): Archäologie in Nettersheim. Führer durch die archäologische Ausstellung im Naturschutzzentrum Eifel. 51 S., Gemeinde Nettersheim (Hrsg.)

 JÜRGENS, A. (1984): Praktische Bodendenkmalpflege, Grabungen und Restaurierungen archäologischer Denkmäler in der Gemeinde Nettersheim, 22 S.

 KNACKSTEDT, G.-U. (1991): Neandertaler, Römer, Franken. Siedlungsgeschichte des Landkreises Euskirchen anhand archäologischer Funde. 102 S., 57 Abb., Gemeinde Nettersheim (Hrsg.)

 MIESSELER, H. J., RIBBERT, K.-H., JÜRGENS, A., SCHUMACHER, W. & DONATH, H. (1984): Nettersheim. Schriftenreihe "Die schöne Eifel", 118 S., zahlr. Abb., Eifelverein (Hrsg.); Düren

 NATURSCHUTZZENTRUM EIFEL (1999): Erlebnispfad, 50 S., Gemeinde Nettersheim (Hrsg.)

 RÜGER, C. B.: Die Römer in Nettersheim. 18 S., Rheinland-Verlag, Köln



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