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Siedlungsgeschichte und Archäologie

Ausgrabung
Ausgegrabener Schlüssel
Detailansicht Matronen
Frankengrab

Besonders den Spuren der Römer kann man in Nettersheim folgen. Die hohe Dichte an Denkmälern und archäologischen Funden lässt die Vergangenheit lebendig werden, sei es auf eigene Faust oder mit fachkundiger Begleitung unterwegs inmitten artenreicher Natur.

Das Schöne ist: der Archäologische Landschaftspark und die meisten Denkmäler sind sehr gut fußläufig vom Naturzentrum Eifel (hier befindet sich eine archäologische Dauerausstellung) aus zu erreichen.

Vorgeschichtliche Spuren

Die ältesten Anzeichen menschlicher Anwesenheit in der Region wurden in der Kartsteinhöhle, auch "Kakushöhle" genannt, in Mechernich-Weyer gefunden. In der mittleren Altsteinzeit, vor etwa 80.000 Jahren nutzten dann die Neandertaler die Höhle als Unterschlupf. Funde von Werkzeugen und Waffen aus Knochen und Geweih bezeugen die spätere Anwesenheit unseres direkten Vorfahren, des Homo sapiens, vor ca. 35.000 Jahren.

Erste Spuren des Menschen auf dem Gebiet der Gemeinde Nettersheim stammen aus der Endphase der Altsteinzeit und wurden auf einer Anhöhe nördlich von Holzmülheim gefunden. Zeugnisse der letzten Eiszeitjäger der ausgehenden Altsteinzeit, ca. 10.000 vor Christus, fanden sich dort in Form von Artefakten aus sogenanntem Maasfeuerstein.

Mit dem Beginn der Jungsteinzeit vor ca. 7.000 Jahren wurden die Menschen im Rheinland sesshaft und betrieben Ackerbau und Viehzucht. Somit kam es in dieser Zeit zu den ersten Eingriffen in die Naturlandschaft, nämlich zum Zurückdrängen der flächendeckenden Laubwälder durch Rodungen. Den frühneolithischen Bedürfnissen kamen die Lössflächen des Eifelvorlandes mehr entgegen. Erst aus jüngeren Stadien der jungsteinzeitlichen Entwicklung sind Funde in der Nordeifel bekannt, ebenso in der Gemeinde Nettersheim. In Holzmülheim fanden sich am oben genannten Fundplatz Artefakte der Jungsteinzeit (5.500/4.500- 2.000 v. Chr.), darunter eine markante Pfeilspitze.

In vorrömischer Zeit siedelte der Stamm der Eburonen im Gebiet um Nettersheim. Im Jahr 53 v. Chr. drangen die Römer unter dem Feldherren Julius Caesar in das Gebiet der Nordeifel vor, worauf es zu einer Reihe von kriegerischen Auseinandersetzungen kam. Römischen Quellen zufolge wurden die Eburonen in einer vernichtenden Niederlage nahezu ausgelöscht. In dem freien Gebiet siedelte der von den Römern zu den Germanen gerechnete Stamm der Ubier.
 
Römerzeit: Agrippastraße, Vicus und Landleben
Unter den Römern wurde die Nordeifel und damit das Gebiet von Nettersheim Teil der Provinz Germania Inferior, also der Provinz "Niedergermanien". Die Eifel basaß aufgrund ihres Reichtums an Bodenschätzen und als Transitraum zu den am Rhein-Limes gelegenen römischen Legionslagern Colonia Claudia Ara Agrippinensium CCAA (Köln, der späteren Provinzhauptstadt) und Bonna (Bonn) sowie dem an der Mosel gelegenen Augusta Treverorum (Trier) große Bedeutung.

Zu beiden Seiten der römischen Fernstraße Köln-Trier, der sog. Agrippastraße, erstreckte sich im heutigen Nettersheim zwischen der Tempelanlage "Görresburg" und dem Gelände an der "Steinrütsch" die römische Siedlung von Nettersheim. An der "Steinrütsch" bestand neben größeren, wohl öffentlichen Bauten in der Spätantike ein Kleinkastell; hier vermutet man auch die römische Benefiziarier-Station (Straßenposten). Reste von Rennöfen zeugen von Eisenverhüttung in größerem Maßstab. Ein ebenfalls an der "Steinrütsch" gefundener Meilenstein (heute ist im Gelände eine Kopie aufgestellt) dokumentiert Baumaßnahmen an der Straße unter Kaiser Decius, der Mitte des 3. Jhs. n. Chr. römischer Kaiser war.

Matronentempel
Für die Provinz Niedergermanien besonders bezeichnend sind Tempelanlagen, in denen die Matronen als Schutzgottheiten verehrt wurden. In der Region Nettersheim sind drei dieser Heiligtümer bekannt: in Nettersheim, Zingsheim und zwischen Pesch und Bad Münstereifel-Nöthen. Der Matronenkult geht auf vorrömische Zeit zurück. Auf Weihesteinen sind die Matronen dargestellt: meist in der Dreizahl sitzen in einheimische ubische Tracht gekleidete Frauen auf einer Bank und tragen Fruchtkörbe in den Händen. Die Weihesteine an der Tempelanlage "Görresburg" in Nettersheim wurden von Benefiziariern gestiftet, also Soldaten, die auf dem Nettersheimer Straßenposten an der Fernstraße Köln-Trier stationiert waren.

Die römische Siedlung wird seit 2009 durch Archäologen der Universität Köln untersucht. Hier ist der Archäologische Landschaftspark entstanden, der seit Mai 2014 die Römerzeit lebendig werden lässt; Informationen dazu finden Sie hier.

Spuren des römischen Landlebens in der Eifel haben sich in Roderath erhalten: dort wurde eine Hofanlage (villa rustica) ausgegraben, das Hauptgebäude in Sockelhöhe teilrekonstruiert und die Nebengebäude durch Heckenpflanzungen nachvollziehbar gemacht. In Roderath ist eine eher kleine Hofanlage dokumentiert; sie bietet ein ganz anderes Bild als die prächtigen Gutshöfe der Lössebenen oder die Römervilla von Blankenheim.

Römische Wasserleitung
Ende des 1. Jh. n. Chr. wurde die römische Eifelwasserleitung zur Versorgung des antiken Köln erbaut, die an der Quellfassung "Grüner Pütz" im Urfttal ihren Ausgangspunkt hatte. Über eine Strecke von 95,4 Kilometern führte das seinerzeit größte Bauwerk nördlich der Alpen täglich ca. 20.000 m³ (250 l/s) wohlschmeckendes, kalkhaltiges Eifelwasser in die Colonia und versorgte dort Brunnen, Bäder und Thermen. Auf dem Römerkanal-Wanderweg von Nettersheim nach Köln kann man sich heute dieses imposante Bauwerk in seiner Gesamtheit erschließen.

Vom Mittelalter zur Neuzeit

Seit der Spätantike ließen sich die Franken in der Nordeifel nieder. Sie legten vielerorts die Grundsteine für heutige Siedlungsstrukturen, so auch im Ort Nettersheim. Die Franken haben ihre Toten in ihrer Tracht und z. T. mit reichen Beigaben bestattet. Gräberfelder in Nettersheim, Zingsheim und Pesch mit Plattengräbern und teilweise kostbaren Funden, wie einem Rüsselbecher aus blauem Glas, zeugen von der fränkischen Besiedlung.
Urkundlich erscheint Nettersheim erstmalig 867 in einem Dokument des Frankenkönigs Lothar II. In diesem Schriftstück ist die Übergabe des königlichen Gutes mit Namen "Villa Nefresheim" an einen Edelherren Otbert festgehalten. Das Gut wurde seinerzeit von einem Mann namens "Guntbert" bewirtschaftet, der somit als der älteste, namentlich bekannte Nettersheimer gelten kann. Die Schreibform "Neffersheym" wird bereits im Güter- und Einkünfteverzeichnis der Abtei Prüm im Jahre 893 verwendet, aus dem hervorgeht, dass die Siedlung mit zwei Ackergütern zinspflichtig war.

Seit dem späten Mittelalter (1430) führte ein hier ansässiges Adelsgeschlecht den Namen "derer von Nettersheim" und übte einen nicht unbedeutenden Einfluß in der Eifel aus. Zu dieser Zeit kam Nettersheim zum Herzogtum Jülich, welches sich durch die Jahrhunderte Auseinandersetzungen mit den Kurfürsten von Köln lieferte. Erst nach den napoleonischen Kriegen 1794 wurde Nettersheim aus diesem Territorialgebilde herausgelöst.
 
Das heutige Erscheinungsbild unserer Dörfer ist das Ergebnis einer jahrhundertelangen Besiedlung. Die Grundzüge der Ortskerne präsentieren sich heute noch so, wie bereits auf der Tranchotkarte von 1809. Mit dem Anschluss an Preußen und verkehrstechnisch an die Eisenbahn 1871 (Strecke Köln-Trier) begann für Nettersheim die moderne Zeit.
 
Archäologie und Kulturgeschichte erleben
mit dem Naturzentrum Eifel

  • Archäologische Ausstellung im Hauptgebäude (Obergeschoss)
  • Römerstraßen-Infozentrum
  • Archäologischer Landschaftspark
  • Streifzug durch Nettersheim
  • Erlebnispfad
  • Nettersheim Tours II und IV

In Veranstaltungen, z.B. "Die Römer bitten zu Tisch", wird Besuchern die Archäologie nahegebracht.